Aktienmärkte auf der Überholspur zurück
In Velden drehte sich alles um Traum und Wirklichkeit der Kapitalmärkte
Nur wer sein Geld in einem optimalen Mix, breit gestreut, und mit einem Quäntchen Mut zum Risiko anlegt, wird langfristig respektable Erträge ernten. Denn: Die Aktienmärkte befinden sich auf der Überholspur. Und: Die Krise ist so gut wie sicher überstanden. Das behaupteten unisono der Aktienmarktanalyst von Raiffeisen Research, Helge Rechberger, Börsesprecher Bernhard Marckhgott, der Chef von Raiffeisen Capital Management, Mathias Bauer, und Gastgeber, Vorstandsdirektor Georg Messner von der Raiffeisenlandesbank Kärnten. Gemeinsam wagten die Finanzexperten kürzlich im Casnieum Velden vor rund 700 Teilnehmern einen Blick auf die Aktienmärkte – Traum und Wirklichkeit.Kein schnelles Geld
Der Traum platzte auf jeden Fall für 169 Banken in den USA, die 2009 ihre Pforten für immer schließen mussten. Die gute Nachricht: Um Raiffeisen brauche man sich keine Sorgen zu machen, so Vorstandsdirektor Georg Messner. "Wir sind durch alle Veränderungen gegangen und haben alles gemeistert", sagt Messner in Hinblick auf die Bankstelle Eberstein, denn die älteste Bank in Kärnten feiert heuer ihr 130-jähriges Jubiläum. Was Raiffeisen außerdem krisensicher mache, sind die rund 70.000 Kärntner Raiffeisenmitglieder, die gleichzeitig die Eigentümer sind, aber auch die Verbundunternehmen wie Raiffeisen Capital Management, die Raiffeisen Bausparkasse, Raiffeisen Leasing und die Raiffeisen Versicherung. Mit Stolz betont Messner, dass sich Raiffeisen in Kärnten über 5.000 Neukunden im abgelaufen Jahr freuen kann und derzeit 275.000 Kunden vor Ort betreut. Stolz ist Messner auch auf die Tatsache, dass jeder zweite Kärntner Unternehmer Kunden von Raiffeisen ist. „Wir suchen den Kontakt zu unseren Kunden. Schnelles Geld zu machen, liegt nicht in unserem Fokus."
Ost-Südosteuropa-Kompetenz
Der Fokus der Wiener Börse, die übrigens von Kaiserin Maria Theresia im Jahr 1771 gegründet wurde, liegt auf der Indexberechnung und der Ost-Südosteuropa-Kompetenz. Für einen funktionierenden Markt brauchen Investoren eine Erfolgsstory. „Wir sind Interessenvertreter für alle Marktteilnehmer und achten darauf, Unternehmen bekannt zu machen", sagt Börsesprecher Bernhard Marckhgott. So werde vor allem in die Zukunft investiert. Was der Wiener Börse in Zukunft ein besonderes Anliegen ist: Die Verbesserung der Aufsicht und mehr Transparenz der dotierten Unternehmen. Marckhgott selbst legt sein Geld klassisch in Sparbüchern und Bausparern sowie in Fonds an. „Ich habe gar keine Zeit, die Kurse ständig zu beobachten", so der Börsesprecher.
Emerging Markets
Dass die Aktienmärkte kräftig nach oben gehen werden, ist für den Aktienmarktanalyst von „Raiffeisen Research“ der Raiffeisen Zentralbank, Helge Rechberger, sicher. Die Zeit für Investitionen sei wieder günstig. Denn im Kern sei die Krise überstanden. Kleiner Wehrmutstropfen sind die angehäuften Schulden, an „denen wir noch zu nagen haben werden". Rechberger schielt dabei auf das marode Griechenland, dem auf jeden Fall geholfen werden müsse. Was für Investoren derzeit ein hochinteressantes Thema ist, sind die sogenannten Emerging Markets wie China, Indien, Brasilien oder sogar Afrika. Rechberger sagt: „Internationale Streuung der Anlagen ist gefragt." Was die Inflation betrifft, sieht der Experte eine Inflation von 2 bis 4 Prozent nicht als Problem. Auch dem EURO prophezeit er weiterhin hohes Niveau, obwohl der Dollar im nächsten Jahr gegenüber dem EURO steigen wird. Die Zinsen werden laut Rechberger eher vorsichtig nach oben geschraubt, was Mitte 2011 der Fall sein könne.
Goldene Anlegerregeln
Die Emerging Markets sind auch für den Chef von Raiffeisen Capital Management, Mathias Bauer, das Zauberwort der Zukunft. Aber auch von Unternehmensanleihen könne man stark profitieren. Was aber für Bauer Gebot Nummer 1 ist: „Beratung ist sehr wichtig. Es ist besser eine Stunde übers Geld zu reden, als einen Monat dafür zu arbeiten." Für Bauer gibt es sieben goldene Regeln, sein Geld anzulegen. So solle man zum Beispiel seiner Investition treu bleiben, die Lebensziele bestimmen oder die Balance zwischen Risiko und Ertrag finden. „Ein Fonds bietet Sicherheit und Ertrag", sagt Bauer und weist auf die rund 30.000 Fonds in Europa hin, aus denen Raiffeisen Capital Management genau für seine Kunden auswählt.
Im Anschluss an die Veranstaltung konnte man sich noch persönliche Anlagetipps von den Experten bei einem köstlichen Buffet holen. Den Abend moderierte übrigens Florian Fischer-Fabian vom Bayrischen Rundfunk, der den Finanzexperten mit pointierten Fragen ihr Wissen entlockte.
Zitiert:
Georg Messner:
Wir beteiligen uns nicht an Spekulationen.
Schnelles Geld zu machen, liegt nicht in unserem Fokus.
Bernhard Marckhgott:
Wären alle Investoren der gleichen Meinung, gebe es keine Börse.
Ich will mich nicht dem Verdacht aussetzen, Insiderhandel zu betreiben.
Florian Fischer-Fabian:
Kapital ist der Treibstoff der Volkswirtschaft.
Helge Rechberger:
Wir werden noch einige Zeit sparen müssen.
Die Inflation wird hoffentlich steigen.
Mathias Bauer:



